12.06.2020

Von Social zu Private Media – und sechs weitere Trends, die Social Media 2020 beeinflussen

Mehr Rückzug in private Kanäle, digitale Welten und Shoppen über soziale Medien – in diesem Jahr könnte sich das Social-Media-Universum stark diversifizieren. Welche Entwicklungen wegweisend sein könnten und welches Potential darin steckt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Fast drei Milliarden Menschen sind heute auf sozialen Medien aktiv. Platzhirsch bleibt dabei immer noch Facebook. Der rasante Aufstieg von TikTok, das innert kurzer Zeit bereits 800 Millionen Nutzerinnen und Nutzer gewann, zeigt aber wie schnell sich online neue Player etablieren können. Auch werden bestehenden Plattformen laufend weitere Features hinzugefügt und so spricht auch 2020 nichts dafür, dass die Branche an Dynamik verlieren könnte. Deshalb ist es umso wichtiger, den Überblick zu behalten, um mit der eigenen Social-Media-Strategie das grösstmögliche Potenzial auszuschöpfen.

Wir teilen unsere langjährige Social-Media-Expertise mit Ihnen und zeigen, welche Trends wir dieses Jahr als besonders relevant ansehen, und welche Massnahmen wir empfehlen, damit Sie keine matchentscheidenden Entwicklungen verpassen.

 

Mark Zuckerberg: «The future is private.»

Immer mehr Userinnen und User verlegen ihr Verhalten auf die privaten Kanäle etablierter sozialen Medien oder weichen gar ganz auf weniger öffentliche Plattformen aus – aus Sorge um die Privatsphäre. Auch Mark Zuckerberg bestätigte kürzlich diese Entwicklung und prognostizierte für soziale Online-Kanäle einen Rückzug ins Private («the future is private») und legt seine Plattformen zunehmend darauf aus, beispielsweise mit Enge-Freunde-Listen, Verschlüsselung von Messengern oder Business-Profilen für Whatsapp.

Gerade weil Social-Media-User nur noch 52 Prozent aller Brands über die öffentlichen Streams der sozialen Medien entdecken, ist es für Marketingfachleute 2020 besonders wichtig, neben den öffentlichen Streams auch in private Kommunikationskanäle zu investieren. Die Betreuung von Facebook-Messages, Instagram Direct oder privaten Facebook-Gruppen ist sehr ressourcenintensiv. Der Aufwand lohnt sich jedoch, denn über die privaten Kanäle erhalten Unternehmen einen direkteren und tiefen Zugang zu potentiellen und bestehenden Kundinnen und Kunden. Chatbots oder automatisierte Antworten können dabei unterstützen.

 

TikTok rüttelt Social Media auf – andere ziehen nach

Über 800 Millionen aktive Userinnen und User konnte TikTok innert kürzester Zeit auf seine Plattform locken. Gleichzeitig verbringen Nutzerinnen und Nutzer sehr viel Zeit auf TikTok, im Durchschnitt 46 Minuten pro Tag. Die Plattform bietet für Unternehmen ein ungeheures Potenzial an Aufmerksamkeit.

Besonders Instagram verlor viele seiner jüngeren User an TikTok. Von der gängigen Instagram-Ästhetik ermüdet, schätzen sie die Einfachheit des chinesischen Videoportals. Als Antwort darauf launcht Instagram nun mit Instagram Reel seinen eigenen TikTok-Klon.

Für Werbende gilt: Diversifiziert euch und experimentiert! Es kann sich lohnen, schon früh in Nischenplattformen zu investieren. Die grösste Herausforderunge für Unternehmen ist hierbei, die Funktionsweise neuer Plattformen und ihre Community zu verstehen. Für TikTok heisst das: Die eigene Message in 15 Sekunden verpacken und dabei den Spagat zwischen Spass und Relevanz schaffen. Doch Experimente auf neuen Plattformen ersetzen (zunächst) nicht die bestehenden Massnahmen auf bewährten Kanälen.

 

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind definitiv keine Eintagsfliegen

Die geschäftlichen Einschränkungen rund um das Coronavirus liessen viele Unternehmen ihre Verkaufskanäle weitgehend ins Internet verlagern. Digitale Anproben von Brillen und Kleidung, virtuelle Wohnungsbesichtigungen oder 3D-Ansichten von Produkten: Es wird immer wichtiger schon online zu wissen, was man von einem Produkt erwarten kann – besonders im E-Commerce-Bereich. 

Einige Unternehmen setzen diese Technologien bereits erfolgreich ein: IKEA betreibt Virtual Stores, Micheal Kors bewirbt Sonnenbrillen mit Facefiltern auf Facebook und Sephora ermöglicht es, Make-Up zuerst virtuell auszuprobieren. Mittelfristig profitieren auch Unternehmen davon, indem sie ihre Kundschaft schon online von ihren Produkten überzeugen und dadurch die Rücksendequote senken.

So setzt Facebook mit dem Launch von Horizon auf virtuelle Welten. Darin sollen sich Userinnen und User in einer virtuellen Welt vernetzen können, gamen und Inhalte entdecken. Mit Spark AR können User eigene AR-Effekte kreieren und auf Instagram teilen. Und auch Snapchat bietet mit seinen eigenen Filtern ähnliche Möglichkeiten an. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Virtual Reality und Augmented Reality die Zukunft von sozialen Medien vermehrt prägen werden.

 

Video ist und bleibt König

Auch 2020 spricht nichts, aber auch gar nichts dagegen, dass Videoformate an Bedeutung verlieren könnten. 500 Millionen Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer schauen täglich Stories an, die besonders geeignet sind für Videoformate. TikTok, das aktuell am meisten wachsende soziale Netzwerk, setzt ausschliesslich auf das Format Video.

 

Social Commerce – Shoppen auf Social Media

Nach Facebook, Instagram und Snapchat lancierte im März auch Pinterest in der Schweiz Shoppable Ads. Das sind Werbeanzeigen, die direkt auf das angezeigte Produkt im Webshop der Werbetreibenden verlinken. Damit ist der Kaufvorgang nur noch ein Klick entfernt. Studien aus Deutschland belegen, dass in 49 Prozent der befragten Firmen mehr Personen in ihrem Onlineshop einkaufen, seit sie Instagram-Shopping-Ads nutzen. Gemäss einer weiteren Studie verwenden mehr als 90 Prozent der wöchentlichen Pinterest-Nutzerinnen und -Nutzer die Plattform explizit, um einen Kauf zu planen. Die Hälfte hat sogar schon einen Kauf getätigt, nach dem Klick auf einen gesponserten Pin (Promoted Pins).

Einen Schritt weiter geht Facebook und bereitet seine Tools für das ultimative Online-Shopping-Erlebnis vor, um es für Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbraucher einfacher zu machen. Mit der Einführung von Marketplace for Business, Facebook Page Shops, Shopping on Instagram und Shops auf Facebook und Instagram ist der Verkaufstrichter von der Markenfindung (einschliesslich Werbung) bis zum Point of Sale fast vollständig. Die in den USA bereits lancierte Check-out-Funktion, um Produkte direkt auf der Social-Media-Plattform zu kaufen, wird noch in diesem Jahr in der Schweiz eingeführt.

 

Social Listening: Wissen, was Userinnen und User über Ihre Marke schreiben

Social Media ist eine Goldmine wenn es darum geht, Daten darüber zu sammeln, wie Userinnen und User über eine Marke denken oder genauer gesagt darüber schreiben. Dank leistungsstarker Tools ist es heute möglich, diese Daten aus sozialen Medien systematisch zu erfassen und verständlich aufzubereiten. Nur wenn Unternehmen wissen, wie eine Kampagne oder eine Marke tatsächlich ankommt, können sie ihre Social-Media-Strategie entsprechend anpassen und die Wahrnehmung der eigenen Marke positiv beeinflussen. Für einen international tätigen Kunden beobachteten wir mit Social Listening zwei seiner Produkte über verschiedene Märkte hinweg. Es zeigten sich sehr unterschiedliche Resultate je nach Land. Diese Daten ermöglichten es uns, die Social-Media-Strategie und die Kreation von Inhalten entsprechend anzupassen, um das Potenzial für jeden Markt individuell auszuschöpfen und die Zielgruppen mit relevanten Inhalten zu erreichen.

 

Was ist Ihre Alexa-Strategie?

Wofür die Befehle «Ok Google» und «Hey Siri» gut sind, wissen zwar die meisten, trotzdem haben viele Werbende noch keine wirkliche Strategie, wenn es um Voice Search geht. Produkte mit Spracherkennung verkaufen sich seit einigen Jahren immer besser. Welchen Einfluss hat Voice Search auf Social-Media-Kampagnen? Müssen Unternehmen den Stil ihrer Texte auf Voice Search ausrichten? Diese und weitere Fragen werden sich Werbende vielleicht schon 2020 stellen müssen. Wie genau Voice Search unsere Marketing-Strategien in naher Zukunft beeinflussen wird, ist noch schwer abzuschätzen, da die Technologie noch im Aufbau ist. 

 

Kurz gesagt: Ruhen Sie sich nicht aus

Einige Entwicklungen wie Voice Search und Social Commerce sind erst im Entstehen und sollten beobachtet werden. Videoformate und neue, schnell wachsende Netzwerke benötigen unter Umständen schon heute besondere Aufmerksamkeit. Gerade wer früh neue Entwicklungen in der Online-Welt erkennt und geschickt in diese investiert, wird auch zukünftig auf Social Media profitieren können.

Wir beraten Sie bei Ihren Massnahmen auf Social Media.