The Webrepublican Nr. 46, Dezember 2017

03 Dez 2017 / von Simon Wüthrich / Webrepublic / Comments

Ein Interview mit Tom Hanan, ein Zertifikat für Mediaagenturen, Milliardenumsätze und Unterhaltung beim Singles’ Day, ein strauchelnder digitaler Assistent und die Disruption der Religion im Jahr der Reformation; 1544 Leser, 42 % Open Rate und 6:30 Minuten Lektüre. Das ist The Webrepublican Nr. 46.

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The Webrepublican Nr. 46

#Webrepublic

  • Tom Hanan hat im Interview mit LEADER darüber gesprochen, was er anders macht als die Mitstreiter auf dem Platz Zürich, wo er die grössten unternehmerischen Herausforderungen sieht und wohin sich Digital-Marketing in der Schweiz entwickeln wird.
  • Der Programmatic Advertising Day 2017 war ein voller Erfolg. Als Sponsor möchten wir uns bei den Organisatoren bedanken – und beim grossartigen Team von ViCafé, das unser Kaffeesponsoring zur Freude der Teilnehmer perfekt umgesetzt hat.

Grossartiger Kaffee, grossartige Crew! Vielen Dank @vicafe.ch 🙏 #PAD17 #wrlife

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Welcome to the team

#SEO

Google reichert Suchergebnisse mit lokalem Bezug auf Smartphones mit weiteren Daten an. Die Absicht ist klar: Google soll mobilen Nutzern noch hilfreichere Angaben zu Orten und Angeboten in der Umgebung liefern. Marketer müssen vor diesem Hintergrund darauf achten, relevante Informationen zu ihrem Unternehmen oder ihren Angeboten richtig zu strukturieren.

#Programmatic

Die Diskussionen am ausverkauften Programmatic Advertising Day (PAD) haben gezeigt: Werbeauftraggeber, Agenturen, Publisher und Ad-Tech-Anbieter wollen die aktuellen Herausforderungen angehen. Grosse Hoffnungen werden in vier Initiativen gesetzt: 1. in den Anfang Jahr lancierten Code of Conduct der iab für Publisher, Daten- und Technologieanbieter (SSP und DSP); 2. in ein Qualitätszertifikat für Mediaagenturen und Trading Desks, das die iab Anfang 2018 lancieren wird; 3. in einen Swiss Media Data Hub, der die effektive Reichweite digitaler Kampagnen ermitteln soll sowie 4. in die Coalition for Better Ads, die sich zum Ziel setzt, minderwertige und betrügerische Werbeformate zu verhindern.

Für Agenturen und ihre Auftraggeber besonders wichtig ist das von der iab am PAD angekündigte Zertifikat. Im Rahmen eines mehrstufigen Zertifizierungsprozesses können Agenturen ab Januar 2018 einen detaillierten Fragebogen ausfüllen, Case Studies (die anonymisiert und dann ausgewertet werden) einreichen sowie Referenzen von Kunden zur Überprüfung übermitteln. Die Prüfungskommission setzt sich aus Fach- und Rechtsexperten zusammen. Die ersten – 24 Monate lang gültigen – Zertifikate dürften Mitte 2018 vergeben werden. Wir begrüssen diesen Schritt ausdrücklich, da er Transparenz in den Markt bringt und es Auftraggebern erleichtert, seriöse Player zu identifizieren.

#Data

Die E-Privacy-Verordnung sorgt für rote Köpfe in der Branche, auch weil damit der Eindruck entsteht, dass der Gesetzgeber das Kind mit dem Bade ausschüttet. Da die Trilog-Verhandlungen zwischen EU-Rat, EU-Parlament und EU-Kommission vermutlich nicht im angestrebten Zeitrahmen abgeschlossen werden können, wird die E-Privacy-Verordnung wohl nicht bereits im Mai 2018, sondern erst später in Kraft treten. Natürlich sind Regulierungen unvermeidbar – und wenn sie pragmatisch ausfallen (!) auch begrüssenswert. Vor diesem Hintergrund muss unsere Branche nicht nur die Entwicklung technisch solider, sondern auch rechtlich konformer Lösungen vorantreiben, um auch weiterhin ihre Zielgruppen mit relevanten Inhalten zu erreichen.

#Ecommerce

Was bedeutet der Quasi-Einstieg von Amazon in den Schweizer Onlinehandel? Die hiesigen Online-Platzhirsche Brack und Digitec Galaxus geben sich betont gelassen. Sie verweisen auf Schweizer USPs (z. B. Twint als Bezahllösung) oder den Nutzwert ihrer Omnichannel-Angebote. Wenig überraschend freuen sie sich über Konkurrenz, die das Onlinegeschäft belebe und den Druck auf ausschliesslich stationäre Player verstärke. Für Schweizer Marken dürfte Amazon als Vertriebsplattform (inklusive Performance-Marketing-Lösungen) mittelfristig deutlich interessanter werden.

NL 46 E-Commerce, Amazon

Dank Black Friday – der übrigens nichts mit Sklavenhandel zu tun hat – und Cyber Monday klingeln die Kassen der Onlinehändler, oder? Gemäss einer Studie von PwC sollen nur noch 35 Prozent der Onlineshopper ihren Einkauf bewusst auf Black Friday legen. 2016 waren es noch 51 Prozent, 2015 gar 59 Prozent. Müssen sich Onlinehändler sorgen? Mitnichten: Rabatt-Aktionen fallen nicht mehr auf einzelne Tage, Schnäppchenjäger begeben sich ganz einfach unabhängig von der Saison auf die Pirsch. Und andere – wissend um Verkaufspsychologie – geloben, Preisschilder bewusst zu ignorieren und sich stattdessen mehr auf die Ware dahinter zu konzentrieren.

Auch wenn Dauerschnäppchenjäger und Mindfulness-Shopper Black Friday, Cyber Monday und Singles’ Day abschwören, die nackten Transaktions- und Umsatzzahlen sind nach wie vor beeindruckend, ganz besonders im Falle des Singles’ Day in China. In einem lesenswerten Bericht hebt die NZZ neben den quantitativen auch die qualitativen Unterschiede zwischen Singles’ Day und Black Friday hervor. Es überrascht kaum, wie wichtig Mobile in China ist. Spannender ist da der Vergleich des Shoppingverhaltens von Nutzern aus unterschiedlichen Kontinenten: Amerikaner wollen effizient sein, verbringen im Schnitt nur acht Minuten täglich auf amazon.com. Chinesen hingegen verbringen bis zu dreissig Minuten pro Tag auf ihren Shoppingplattformen, suchen Inspiration und wollen unterhalten werden. Kein Wunder, ist der Singles’ Day eine regelrechte Verkaufs- und Unterhaltungsshow. Stellt sich die Frage, ob europäische User sich den chinesischen angleichen werden – Content Marketer und Werber würden sich bestimmt darüber freuen.

#Video

YouTube hat auf seinem Kids-Channel mit Content zu kämpfen, der definitiv nicht kindergerecht ist. Schuld daran sind die Algorithmen, welche die Kuration der Inhalte übernehmen sollten. Das Beispiel macht klar: Ohne menschliches Zutun hadert Künstliche Intelligenz noch immer mit der korrekten Zu- und Einordnung von Inhalten. Daher beschäftigen Plattformen wie YouTube Heerscharen von Zensoren, die Inhalte kontrollieren und gegebenenfalls löschen – und damit ganz nebenbei Algorithmen trainieren. Zudem werden problematische Geldflüsse trockengelegt. Für Marketers sind diese Bemühungen insofern relevant, als dass sichere und passende Umfelder auch im digitalen Raum für gewisse Kampagnen und Brands von grosser Bedeutung sind.

NL 46 YouTubeKids

#Mobile

Während Twint in der Schweiz erneut mit guten Wachstumszahlen glänzt, sorgen WeChat Pay und Alibaba mit AliPay für Schlagzeilen, weil sie ihre Mobile-Payment-Lösungen auch in Europa ausrollen – vorläufig, um chinesischen Touristen das Leben zu vereinfachen. Dabei wird es jedoch kaum bleiben: Es wäre wohl das erste Mal, dass chinesische Giganten eine kurzfristige, auf eine kleine Nische abzielende Strategie verfolgen …

#Social

Snap macht nicht nur wegen enttäuschender Geschäftszahlen, sondern auch wegen neuer Werbetools von sich reden: Neu sollen Marketer dank dem Snap-Pixel nachvollziehen können, wie Conversions über Snap zustande gekommen sind. Anders gesagt: Snap versucht mit dem Snap-Pixel in den Performance-Bereich vorzustossen – und ist damit nicht alleine: Auch Pinterest arbeitet mit dem Taste Graph hart daran, sich im Kampf um die Budgettöpfe der Performance-Marketer gegen Google und Amazon in Stellung zu bringen.

#Trends

Im Frühjahr 2017 stellte Apple den HomePod vor, einen Smart Speaker, der Ende Jahr – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft – den Weg in den Handel hätte finden sollen. Nun hat Apple den Verkaufsstart auf Anfang 2018 verschoben – und damit Kritiker auf den Plan gerufen, die Apples Produktentwicklern und -strategen noch so gerne Einfalls- und Orientierungslosigkeit vorwerfen. Es ist zu vermuten, dass das Problem nicht beim HomePod an sich, sondern bei Siri zu suchen ist. Während nämlich Amazon, Google und Microsoft ihre Assistenten für Drittparteien öffnen – wie Apple 2008 sein mobiles Betriebssystem iOS mit dem App Store –, agiert Apple übervorsichtig, lässt Siri quasi zum Autisten verkümmern. Wenn Apple nicht bald nachzieht, könnte das fatale Folgen haben: Ein digitales Ökosystem ohne funktionierendes smartes Sprach-Interface, das als Plattform für Drittanbieter funktioniert, wird kaum überlebensfähig sein.

#Onemorething

Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit: Im Silicon Valley ist die erste Kirche gegründet worden, in der Künstlicher Intelligenz gehuldigt und die Übergabe der totalen Macht über die Welt an Algorithmen vorbereitet wird, quasi genau richtig zum Jahr der Reformation. Hinter der Idee steckt kein Geringerer als der Wunderknabe autonomer Autos, Anthony Levandowski. Zwar kommen Idee und Website noch ziemlich handgestrickt daher, doch Levandowski ist sich offenbar sicher: Die digitale Disruption macht auch vor Religionen nicht halt.

NL 46 Anthony Levandowski, AI

#Marketoon

Marketoon The Webrepublican 46

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