China als aufstrebende B2C-Macht

22 Nov 2016 / von Tobias Zehnder / Webrepublic / Comments

Chinas E-Commerce-Umsätze explodieren förmlich. Auch immer mehr Schweizer kaufen auf E-Commerce-Plattformen des Reichs der Mitte ein. Schweizer Marken, die angesichts der aufstrebenden B2C-Macht kompetitiv bleiben wollen, müssen voll und ganz auf Qualität setzen.

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Trends 2017 B2C in China

China galt lange Zeit als die Werkbank und wichtiger B2B-Handelspartner des Westens. Nachdem China den Ruf der billigen Produktionsstätte bereits vor einem halben Jahrzehnt hinter sich gelassen hat, folgt jetzt der nächste grosse Schritt: In den letzten Jahren entwickelte sich in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt eine neue Branche rasant: B2C-E-Commerce. Die stetig wachsende Internetbevölkerung wird den E-Commerce-Boom in China auch in den kommenden Jahren antreiben. China entwickelt sich zur führenden B2C-Macht.

Ein Beispiel: Am Singles Day 2016, dem wichtigsten Shopping-Tag des Jahres, wurden auf der Shopping-Plattform Alibaba Güter im Wert von 17,79 Milliarden Dollar gekauft. Das sind rekordverdächtige 12’150 Transaktionen pro Sekunden, 48 % mehr als im Vorjahr. Bereits gegen Mittag erreichte Alibaba den Umsatz vom «Singles’ Day» des vergangenen Jahres. Die grosse Mehrheit der Güter (82 %) wurde über mobile Geräte gekauft.

Apps spielen im M-Commerce eine zentrale Rolle. Diese Apps sind gut gemacht und können auch von Usern ausserhalb Chinas installiert werden. Es überrascht daher nicht, dass im Herbst 2016 bereits zwei der Top-10-E-Commerce-Apps in der Schweiz direkte B2C-Beziehungen mit chinesischen Herstellern anbieten: Wish und AliExpress.

Das heisst auch, dass der chinesische B2C-Markt für Schweizer interessanter wird. Dies legt auch der exponentielle Anstieg des Paketversandes aus China in die Schweiz nahe: Wurden im Jahr 2014 noch 1,8 Millionen Pakete aus China in die Schweiz versendet, stieg die Zahl im 2015 auf 2,5 Millionen und wird im Jahr 2016 auf insgesamt 8 Millionen geschätzt.

Unsere Prognose

Die Relevanz chinesischer E-Commerce-Plattformen für die Schweiz wird weiter steigen. Die Kleinsendungen werden sich auf 16 Millionen in 2017 verdoppeln, da auch im kommenden Jahr die Paketgebühren nicht angepasst werden. Unternehmen, die sich mit chinesischen Brands auf einen Preiskampf einlassen, werden diesen verlieren und vom Markt verschwinden.

Wie können Schweizer Unternehmen darauf reagieren?

Chinesische B2C-Plattformen werden weiterwachsen. Sie gelten als die neuen, international einflussreichsten Konkurrenz-Plattformen der dominierenden US-Anbieter und lokalen Anbieter in Europa und der Schweiz. Die chinesischen Anbieter setzen ihre Konkurrenz mit tiefen Preisen und einer gigantischen Produktauswahl unter Druck. Womit können die hiesigen Marktteilnehmer dagegenhalten? Sie können Ihre Stärken dort ausspielen, wo die chinesischen Player (noch!) schwach sind: Lieferzeiten, Produkt- und Servicequalität. Schweizer Unternehmen, die sich im E-Commerce behaupten wollen, sollten alles daransetzen, den Wettbewerb über Qualität zu bestreiten – den Preiskampf können sie unmöglich gewinnen. Das heisst konkret: Investieren Sie in Ihre Logistik, überzeugen Sie Ihre Kunden mit exzellenten Service- und Garantieleistungen; pflegen sie die Beziehung zu ihren Kunden aktiv; und übertrumpfen sie die günstige Konkurrenz aus Fernost mit hoher Produktqualität und einem Branding, das Ihren Kunden echten Mehrwert bietet.

Hier geht’s zum nächsten Trend (3/5): «Programmatic Advertising»