Die PDF-Sackgasse

18 Jun 2013 / von Roger Tschallener / SEO / Comments

Oder: Wie man den Nutzer garantiert nicht auf seiner Webseite behält.

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Es handelt sich um ein Problem, wie es verbreiteter kaum sein könnte. Ein Problem, das die Menschen bewegt (oder eben nicht), ein Problem, das die Menschen in die Abgründe der Verzweiflung treibt, ein Problem, das Benutzer auch von Webseiten mit dem besten Inhalt garantiert fernhält: Die PDF-Sackgasse.

 

Von Hühnern und Menschen

Stellen wir uns die folgende Situation vor: In meinem Freundeskreis bin ich als liebevoller Hobby-Hühnerhalter bekannt. Aus diesem Grund erzählte man mir von einer Studie mit dem Namen „Chicken: Chicken Chicken“, welche ich unbedingt ansehen müsse. Ich suche also bei Google danach und erhalte folgende Ergebnisse:

Nachdem ich das Prachtshuhn auf der rechten Seite bestaunt habe, mache ich mich auf die Suche nach dem von meinen Freunden empfohlenen Werk und werde bereits an zweiter Stelle fündig - das Video auf Platz eins überspringe ich, das ist sicherlich nicht so relevant. Ich öffne das PDF und staune. Meine Erwartungen werden übertroffen, ich freue mich, drucke aus und freue mich erneut.

Nach dem zehnten Durchlesen  würde ich nun jedoch gerne mehr über den Autoren erfahren, ich möchte seine weiteren Publikationen bestaunen und ihm meine Dankbarkeit mitteilen, ihm vielleicht sogar einen Kleinstbetrag spenden. Doch ich habe hier ein Problem: Ich komme nicht aus diesem PDF heraus, ich habe keine einfache Möglichkeit, auf die übergeordnete Seite zu gelangen. Ich stecke in der PDF-Sackgasse fest.

 

Mit gutem Inhalt viele Benutzer verlieren

Was hier beschrieben wurde ist ein verbreitetes Phänomen, das besonders in den Bereichen Content-Marketing und SEO oft unterschätzt wird. Mit viel Aufwand werden Inhalte zusammengetragen, aufgearbeitet, gelayoutet und in ein Dokument gepackt. Es wird dann jedoch mit viel guter Absicht mit einem „Download PDF“-Link auf der Webseite oder einem Blog eingebunden und ist ab sofort abrufbar – für Benutzer und Suchmaschinen.

Letztere indexieren nun selbstverständlich das Dokument  und verlinken wie in der beschriebenen Situation direkt darauf. Leser, welche über den Download-Link auf der Webseite das PDF öffnen, geniessen den Komfort, immerhin mit dem Zurück-Button des Browser wieder auf die vorherige Seite zu gelangen. Andere Besucher, welche organisch über Google oder z.B. via einem Link aus einem Email direkt auf der Datei gelandet sind, haben im Normalfall keine Chance, einfach auf die Website der Ersteller zu gelangen. Die Folge: Das wunderbare Content-Marketing hat beträchtlich weniger Rückwirkung auf den Ersteller als eigentlich verdient. Und in den Statistiken zeigen sich die Früchte der Arbeit leider auch nicht, da PDF-Downloads  nicht von Haus aus in Google Analytics getrackt werden. Obwohl der User eigentlich gute Inhalte gefunden hat, wird somit viel Potential verspielt.

 

Der Ausweg aus der Sackgasse

Damit ein PDF nicht immer einer Sackgasse gleichkommt, ist es wichtig, dem Benutzer mindestens einen möglichen Weg zu weiteren Informationen aufzuzeigen. Idealerweise endet er jedoch gar nicht erst auf einem PDF ohne Rückkehrmöglichkeit. Unsere Tipps helfen, PDF-Sackgassen zu vermeiden und dem Benutzer seinen Weg durch das Internet zu erleichtern:

  • Brauche ich wirklich ein PDF?
    Oft wird das Format PDF mit „hoher Qualität“ gleichgesetzt: Wenn es sogar in einem PDF ist, muss es ja gut sein. Falsch. Wenn ein Inhalt auch als normaler Artikel existieren kann und für den Benutzer angenehmen zu konsumieren ist, braucht es kein PDF.
  • Kann der Inhalt aufgeteilt werden?
    Ein umfassendes PDF ist zwar in sich schlüssig, die einzelnen Kapitel sind jedoch auch alleinstehend verständlich und bringen dem Lesenden einen Mehrwert? Indem man den Inhalt auf mehrere Seiten oder Blogposts aufteilt und jeweils zum vollständigen PDF linkt, lässt sich eine grössere Masse an Benutzern gezielter ansprechen und dazu auch noch vor der PDF-Sackgasse abfangen.
  • Welche Wege gibt es aus dem PDF heraus?
    Der Nutzer landet also begründet auf einem dieser PDFs. Nun soll er aber auch daraus wieder weiter kommen. Die einfache Lösung: Klickbare Links! Nur zu oft werden URLs des Urhebers, anderer Quellen oder weiteren Informationen nicht verlinkt. Aber Benutzer sind faul, sie wollen klicken statt Links in die Adresszeile des Browsers zu kopieren.
  • Will ich meine PDFs überhaupt von einer Suchmaschine finden lassen?
    Vielleicht ist die Antwort hier ganz einfach nein. Den kleinen Umweg via die eigene Website sollen Benutzer auf sich nehmen. Mittels einfachen Einstellungen kann man Google verbieten, PDF-Dateien zu indexieren.
  • Wie könnte ich so ein PDF denn nun richtig einbinden?
    Idealerweise ist die Datei wie oben beschrieben nicht direkt über eine Suchmaschine auffindbar. Gleichzeitig wird die Datei jedoch auf der entsprechenden Seite eingebunden und ist somit nicht nur verlinkt, sondern direkt lesbar. Mögliche Lösungen dazu gibt es kostenlos und sind einfach einzubauen (beispielsweise von Google oder Mozilla). Der Link zum Download der Datei kann selbstverständlich zusätzlich angeboten werden.

 

Die PDF-Sackgasse ist also gar nichts so ausweglos, wie sie auf den ersten Blick scheint. Auch ich habe nach weiterem Suchen eine Version von „Chicken: Chicken Chicken“ gefunden, die mit einem Link versehen war. Der führt zum vorher übersprungenen Video, in dem der Autor höchstpersönlich seine Studie präsentiert und nun mit einem dankbaren Kommentar von mir belohnt wurde. Chicken. Chicken Chicken!

 

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